Systhema - Heft 2 - 2017

VORWORT

Jens Förster, Andreas Klink    
S. 108-109

ORIGINALBEITRÄGE:    

Heiko Kleve:
Die Wechselseitigkeit von Geben und Nehmen – Netzwerke als soziale Systeme

S. 110-121

Zusammenfassung

Auf der Basis der Systemtheorie werden Vernetzung und Netzwerke als soziale Systeme beschrieben und wie gesellschaftliche Funktionssysteme erklärt. Denn soziale Netzwerksysteme gründen auf einem Erfolgsmedium der Kommunikation, nämlich auf Reziprozität, sind durch die Wechselseitigkeit von Geben und Nehmen codiert und entwickeln eine eigene Selbstorganisation (Autopoiesis), die bestimmte Personen einbezieht und andere ausschließt.

Abstract

On the basis of systems theory, networking and networks are described as social systems and explained as social functional systems. Social network systems are based on a medium of communication, called as reciprocity, are coded by the reciprocal nature of giving and taking, and develop their own self-organization (Autopoiesis), which involves certain persons and excludes others.       

 

Uri Weinblatt:
Sorry is the hardest word: Wie man Entschuldigungen nutzt, um Schamgefühle in Beziehungen zu mindern  

S. 122-135

Zusammenfassung

Scham ist eine häufige und schmerzhafte Emotion, die im alltäglichen Leben entsteht, wenn Menschen sich verletzt, herabgesetzt, nicht respektiert oder von anderen ignoriert fühlen. Obwohl Entschuldigungen eine der wirksamsten Interventionen sind, um Scham in Beziehungen zu reduzieren, werden sie nicht oft genug geäußert oder wenig effizient genutzt. In diesem Artikel werden die Hindernisse beschrieben, die Menschen davon abhalten, sich erfolgreich zu entschuldigen, und es wird untersucht, wie eine angemessene Entschuldigung die eigene Scham, Schamgefühle in einer Beziehung oder die anderer Personen regulieren kann. Um diese Ziele zu erreichen, sollten Therapeuten die Täter/Opfer-Unterscheidung überwinden und stattdessen auf Entschuldigungen als Mittel zur Schamregulierung fokussieren.

Abstract

Shame is a prevalent and painful emotion that arises in everyday life as a result of people feeling hurt, belittled, disrespected or ignored by others. While apologies are one of the most effective interventions in reducing shame in relationships they are not used enough or used ineffectively. The article examines obstacles that prevent people from apologizing successfully and examines how an appropriate apology can regulate shame for the person, the relationship and others. To achieve these goals, therapists should trancend the offender/victim division and focus on the apology as a shame regulating tool.

 

Sibylle Hüdepohl, Martin Steinkamp:
Fest verankert – Vernetzung in der Jugendhilfe Hagen  

S. 136-146

Zusammenfassung

Vernetzung gehört in der Sozialraum- und Lebensweltorientierung zu den zentralen Leitideen, wenn es um Fragen der Ausgestaltung und Ausrichtung von Jugendhilfe geht. Wir beschreiben nachfolgend unsere vernetzenden Aktivitäten als Verknüpfung zwischen Akteuren und auch Konzepten. Die Art der Vernetzung haben wir auf Unterschiedlichkeit hin reflektiert als Prozess vom ICH zum WIR beschrieben. Und wir nehmen eine Bewertung vor, worin wir sowohl den Nutzen als auch die Hürden sehen. Die meisten der beschriebenen Aktivitäten haben wir im gemeinsamen Tun als Leitung des Beratungszentrums Rat am Ring realisiert. Unsere Beheimatung in unterschiedlichen Professionen scheint in einzelnen Textpassagen durch.

Abstract

Networking is one of the central guiding principles when it comes to questions of the design and orientation of youth welfare in social space and life-world orientation.In the following, we will describe our networking activities as a link between actors and concepts. The kind of networking we have described reflected on diversity as a process from ME to WE. And we make an assessment of what we regard both as the benefit and the hurdles. We carried out most of the described activities as joint management of the consulting center Rat am Ring. Our expertise in different professions is reflected in individual text passages.

 

Andreas Klink, Thomas Rüth:
Bündnisse in kriminalpräventiven Netzwerken   

S. 147-161

Zusammenfassung

Der Artikel beruht auf einem Workshop und einem Vortrag während der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung“ vom 2. bis 4. März 2017 an der Universität Witten/Herdecke. Er beschreibt die Etablierung von Vernetzungs- und Bündnisstrukturen anhand eines spezifischen kriminalpräventiven Netzwerks, das seit 2011 in einem Essener Stadtteil entstanden ist. Meilensteine bei der Etablierung dieses Netzwerks sind zum einen eine aufsuchende Befragung und zum anderen der daraus resultierende Aufbau des Netzwerkes und die langjährige Kooperation der Netzwerkpartner im Rahmen von Maßnahmen, Aktionen und Interventionen.

 

Reinhard Meng:
Die „präsente“ Führungskraft in Verbindung mit dem Konzept der Professionellen Präsenz und dem Modell der Neuen Autorität

S. 162-166

Zusammenfassung

Die in diesem Beitrag beschriebene Verbindung von Führungsverständnis und Unternehmenskultur mit dem Konzept der Elterlichen und Professionellen Präsenz bezieht sich auf einen Vortrag, den der Autor im Rahmen der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz“ vom 2. bis 4.03.2017 an der Universität Witten/Herdecke gehalten hat. Die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (gegr. 1776) ist eine Einrichtung mit ca. 450 Mitarbeitern, die in den unterschiedlichen Feldern der Jugendhilfe Erziehung, Beratung, Betreuung und Förderung anbietet. Seit ca. vier Jahren beschäftigt sich die EJH intensiv mit dem Konzept der Elterlichen und Professionellen Präsenz mit dem Ziel der Implementierung und Etablierung dieses Konzepts in das gesamte Unternehmen. In diesem Artikel erläutert der Autor die Möglichkeiten, innerhalb eines Unternehmens anhand des Modells der Neuen Autorität ein Konzept von Führungsverständnis und daraus abzuleitenden Handlungen zu entwickeln.

Abstract

In this article the author outlines the possibilities within a company, linking management insight and business culture, based on the parental and professional presence concept. A lecture (Clever ways of networking – Parental and professional presence) given at the university of Witten/Herdecke (2.- 4.03.2017). The Protestant Youth Welfare in Iserlohn - Hagen (estab. 1776) is an organisation with approx. 450 employees. The services they offer, include upbringing, counselling, supervision and support for individuals and families. For the last 4 years, the Institution has been working intensively on the parental and professional presence concept, with the aim of implementing and establishing this concept in all fields of work of the entire organization..

 

ERFAHRUNGSBERICHTE 

Jens Förster:
Bericht über die Tagung Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz in Witten/Herdecke (2. bis 4. März 2017)

S. 167-177

Zusammenfassung

Dies ist ein Bericht der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz“ in Witten/Herdecke, in dem es vor allem um die Standortbestimmung und die Reichweite des Konzepts der Präsenz geht. Einige Vorträge werden kurz zusammengefasst.

Abstract

This is a report of the conference on „clever networking – parental and professional presence“ in Witten/Herdecke. It focuses on the state-of-the-art of the concept and its breadth. Some of the talks are briefly summarized.

 

Sibylle Hüdepohl:
Strickmuster – Präsenz als Orientierung für Supervision   

S. 178-184

Zusammenfassung

Das Konzept der Präsenz wird normalerweise im Bezug auf elterliches Verhalten und auch professionelles Handeln differenziert diskutiert. Jedoch wirkt Präsenz auch in die Supervision, als Reflexionsraum für diese Dimensionen, hinein. Aus meiner supervisorischen Praxis heraus verbinde ich beide Stränge mit Blick auf die Haltung und auf das Tun.

Abstract

The concept of presence experiences sophisticated discussions in relation to parental behavior and professional action. However, it is argued that presence also acts in the process of professionell supervision, and can be used as a reflection space for certain dimensions. Based on my experience as a supervisor, I link both ideas, focusing on supervisor’s attitude and behavior.

 

INTERVIEW    

Gestern, Hier und Morgen der „Neuen Autorität“ –  Ein Interview-Spiel mit Haim Omer und Arist von Schlippe   

S. 185-190    

 

DISKUSSION

Caroline Schilling:
Let’s talk about ... life! Wie sexy darf, soll oder muss Systemische Beratung und Therapie sein?

S. 191-203

Zusammenfassung

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Sexualität als Basis der menschlichen Lebendigkeit Eingang findet in systemische Beratungs-, Therapie- und Supervisionsprozesse. Hierfür werden soziokulturelle Konstruktionen zu sexuellem Verhalten, die Emergenz sexueller Identitäten sowie Kommunikationsmuster hierüber in den Blick genommen. Befragt werden die Möglichkeiten zur Entwicklung einer professionellen Persönlichkeit unter Einbezug der eigenen sexuellen Sozialisation und Identität der systemisch Beratenden auch in Hinblick auf die Ausbildungsinhalte Systemische Beratung und Systemische Therapie.

 

Rezensionen

S. 204-209

LESERSTIMMEN

S. 210-211

NACHRICHTEN / WEINHEIMER KONTAKTE

S. 212-216

ABSCHLUSSARBEITENBÖRSE

S. 217-219

Termine/ Veranstaltungen

S. 220-222

 

 

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Systhema - Heft 1 - 2017

VORWORT

Hans Schindler     
S. 4

NACHRUFE

„Mitten im Leben….“ – Ein Nachruf auf Ursel Winkler
*20.08.1964    †01.12.2016       
S. 5-6

Nachruf auf Gisela Osterhold   
S. 7-8

ORIGINALBEITRÄGE:    

Arist v.Schlippe:
Beziehung an den Grenzen – Die Paarbeziehung im Werk der Künstler Auguste Rodin und Edgar Degas

S. 9-24

Zusammenfassung

Obwohl sie Zeitgenossen waren und die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart hinein geprägt haben, waren Rodin und Degas als Künstler sehr unterschiedlich. Der Text betrachtet das Werk der beiden unter einem spezifischen Blickwinkel: die im Werk der beiden Männer vermittelten Bilder von Paarbeziehungen und darüber hinaus generell vom anderen Geschlecht werden diskutiert. Es zeigen sich zwei extreme Formen: das Thema der idealisierenden Verschmelzung zwischen Mann und Frau bei Rodin, das des Betrachters, der sich der Frau nur beobachtend nähert, bei Degas. Beide, so die Schlussfolgerung, die auch ihre persönliche Geschichte jeweils mit einbezieht, haben einen wichtigen Aspekt von Partnerschaft nicht gelebt: die Entscheidung für eine lebenslange Bindung an einen anderen Menschen.

Abstract

Although they were contemporaries and core figures of art-history, Rodin and Degas were very different artists. The present text discusses the work of both by taking a specific angle of view: what kind of picture does the work of both men convey about partnership and of the female sex? It can be shown that they both realize two different extremes: resolution of individual boundaries in an idealising conflation shown by Rodin, whereas Degas takes in the perspective of the distant observer who is elsewhere not getting in touch with the other sex. Taking into account the personal history of both artists, the text comes to the conclusion that both failed in establishing a relationship, which would be based on the decision to spend a lifetime with a beloved partner.


Hans Schindler: 
„Die systemische Familiendynamikaufstellung nach Bert Stierlinger wird nicht bezahlt“ – Wohin bewegen sich die Familienaufsteller?

S. 25-33

Zusammenfassung

Der diesem Beitrag vorangestellte Ausspruch entstammt einem Gespräch mit einem Krankenkassen-Mitarbeiter, der wegen der Kostenübernahme für etwas ganz anderes, nämlich eine Systemische Familientherapie, befragt worden war (Reitz, 2014, S. 147). Die in diesem Satz zu Tage tretende Verwirrung gehört in der Fachöffentlichkeit längst der Vergangenheit an, doch Ende der 1990er-Jahre und Anfang dieses Jahrhunderts waren derartige Unklarheiten auch dort durchaus verbreitet. Dieser Beitrag zeichnet den Prozess des Familienstellens in den letzten zwei Jahrzehnten nach. Er ist Teil der Geschichte der Systemischen Therapie, kann aber auch als Beispiel dafür betrachtet werden, wie Therapieschulen versuchen, sich von auf den ersten Blick abseitigen Ideen abzugrenzen, die ihnen angedient werden, oder sie zugleich zumindest teilweise zu integrieren.

Abstract

„The systemic family constellations following Bert Stierlinger will not be payed”
Where to move therapists working with family constellations?
The introductory sentence to this article is taken from a conversation with an employee of a health insurance company, who had been contacted concerning a quite different subject, i.e. systemic family therapy. (Reitz 2014, S.147). What becomes manifest in this sentence is a confusion which belongs to the past in the professional public, but at the end of the nineties or at the beginning of this century this lack of clarity was widely spread. This contribution tries to sketch the process of working with family constellations during the last twenty years. It is part of the history of systemic therapy, but might as well be seen as an example for the way, therapy schools try to dissociate themselves from on the first glance esoteric/remote ideas which are offered to them or how they try to integrate them at least partially.

ERFAHRUNGSBERICHT 

Jörg Finkbeiner:
„Endlich hast du gesehen, was ich meinte!“ – Wenn reden alleine nicht mehr ausreicht – Erfahrungsorientierte systemische Paar- und Familienberatung

S. 34-47

Zusammenfassung

Wie begleitet man Eltern, die schon alles kennen, beratungsmüde sind oder sich zur Zusammenarbeit genötigt fühlen? Hier ist der Wunsch groß, eine Methode zu kennen, die überrascht, Spaß macht und anders ist als alles, was bisher in der Familienberatung eingesetzt wird. Die erfahrungsorientierte systemische Familienberatung (ESFB) ist eine neu entwickelte Methode, bei der Familien auf spielerische Art innerfamiliäre Prozesse erkennen können. Sie lädt ein, neue Umgangsformen auszuprobieren. Eltern schätzen an der Methode die Alltagsnähe und können oftmals die selbst gewonnenen Erfahrungen gut umsetzen. An einem Beispiel aus der Praxis wird die Methode vorgestellt und praxisnah erläutert.

INTERVIEW    

S. 48-61

Interview mit Herrn Prof. Dr. Uwe Gonther, Ärztlicher Direktor am Ameos Klinikum Dr. Heines in Bremen durchgeführt von Rose und Hans Schindler    

DISKUSSION

Angelika Pannen-Burchartz:
Meine Wahrheit, deine Wahrheit – Über Kontingenz im Geschlechterverhältnis

S. 62-68

Hans Lieb:
Kontingenz und Gewissheit: Welchen Platz hat Gewissheit in der systemischen Praxis? – Ein Plädoyer für die Unterscheidung zwischen Theorie und Handlungsanweisung   

S. 69-73

Haja (Johann Jakob) Molter:
Wenn Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist, dann ist Heinz von Foerster ein Lügner.   

S. 74-80

BERUFSPOLITISCHES

Hans Schindler:
In der wunderschönen Zeit dazwischen (7)      

S. 81-89

Rezensionen

S. 90-96

Weinheimer Kontakte

S. 97-98

Termine/ Veranstaltungen

S. 99-102

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