Systhema - Heft 3 - 2012

VORWORT

Cornelia Hennecke
S. 220

Themenschwerpunkt: Würde ist tastbar –
Chancen und Nebenwirkungen systemischer Praxis

Cornelia Oestereich:
Die Würde des Menschen ist unantastbar! – Und was, wenn nicht? – Menschenwürde und Lebenserzählung in Systemischer Therapie und Beratung

S. 221-231

Zusammenfassung

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gleichwohl kommen Menschen, deren Würde schwer verletzt wurde, die „man made“ Traumata erlebt haben, in Therapie und Beratung. In dem Artikel wird dargestellt, wie in der Systemischen Therapie die durch Traumata verletzte Würde interaktiv und kommunikativ wiederhergestellt werden kann und eine neue „würde-volle“ Lebenserzählung der Stärke und aktiven Gestaltung gefunden werden kann.

Jürgen Kriz:
Chancen und Nebenwirkungen eines Richtlinienverfahrens „Systemische Therapie“

S. 232-242

Zusammenfassung

Dieser Beitrag, als Nachschrift eines Vortrags zum 6. Weinheimer Symposion verfasst, referiert zunächst den würdelosen Umgang der Richtlinienvertreter mit der Systemischen Therapie in den von ihnen beherrschten (Wieder-)Zulassungsgremien, vor allem dem G-BA. Sodann geht er der Frage nach, was die Systemische Therapie im und gegebenenfalls nach einem erfolgreichen sozialrechtlichen Anerkennungsverfahren erwartet. Wie meist im Leben gibt es positive und weniger positive Aspekte. Das Fazit mündet daher in die Empfehlung, zwar diesen Weg zielgerichtet und mit Engagement weiterzugehen, dabei aber nicht die psychischen und materiellen Ressourcen zu verschleißen. Zudem sollten die blühenden Landschaften um diese Festung „Richtlinienverfahren“ herum – Beratung, Coaching etc. – gepflegt und gezielt weiter kultiviert werden.

Kathrin Schmidt:
Wohl und Wehe der Seele vom Geschäft

S. 243-246

Zusammenfassung

Die heutige Arbeitswelt unterscheidet sich insbesondere strukturell von jener vergangener Jahrzehnte, wenn man den Platz des Einzelnen im „Geschäft“ verortet. Standen früher große Streikwellen auf der gewerkschaftlichen Tagesordnung, so ist der Streik als soziale Vermittlungsinstanz zwischen Arbeitnehmern und -gebern heute eher marginal geworden. Stattdessen, die These sei gestattet, reagiert der arbeitende Mensch tendenziell mit individualisierter Arbeitsverweigerung, zum Beispiel Frührente und Burnout, auf das Auseinanderklaffen des mit der frühen Schulmilch eingesogenen demokratischen Selbstverständnisses und strengstens hierarchisierter Arbeitsanforderung.

Stephan Marks:
Scham – Hüterin der Würde

S. 247-259

Zusammenfassung

Der Beitrag fasst grundlegende Informationen über die Scham und ihre Funktion als Hüterin der Menschenwürde zusammen: Wie Schamgefühle ausgelöst werden und hinter welchen Verhaltensweisen („Masken“) sie sich verbergen. Anschließend wird die Bedeutung des Themas skizziert: (a) für die Person des/der Beratenden, (b) für die beraterische/psychotherapeutische Arbeit mit Klienten bzw. Patienten und (c) für die Rahmenbedingungen dieser Arbeit.

Hans Jellouschek:
Die Würde des Partners und die Übung der Achtsamkeit

S. 260-266

Zusammenfassung

Die „Übung der Achtsamkeit“ stammt ursprünglich aus der Meditationspraxis des Buddhismus. Sie hat in den letzten Jahren Eingang gefunden in die Psychotherapie und wird dort in unterschiedlichen Zusammenhängen gelehrt und praktiziert. Der Autor zeigt in dem Artikel auf, wie diese Methode auch für die Arbeit mit Paaren, die konflikthaft verstrickt sind, fruchtbar angewendet werden kann.

Martina Rummel:
Der vermessene Mensch

S. 267-275

Zusammenfassung

Die Verwechslung von Feedback und Fremdbild zieht sich wie ein roter Faden durch gängige Systeme der Unternehmenskommunikation. Dies führt häufig dazu, dass „the dark side of feedback“ sich nicht automatisch erschließt. Statt Menschen zu befähigen, einander zu sagen, was sie voneinander brauchen und wo der Bedarf verfehlt wird – eine Notwendigkeit in der Kooperation –, werden sie systematisch angehalten, einander „den Spiegel vorzuhalten“, so als sei es für ihre Entwicklung oder gar zur Erreichung von Organisationszielen relevant, wie man einander bewertet, findet oder aufeinander wirkt – also welche Fremdbilder man übereinander konstruiert. Die begrifflich unsaubere Einordnung dieses Vorgangs als „Feedback“ (Feedback im Wortsinn = Rückmeldung von Effekten – nicht ihre Bewertung oder gar die der auslösenden Quelle!) erschwert es, sich dagegen zu wehren: Denn man braucht ja „Feedback“… Wer sich gegen diese gestörte Kommunikation auflehnt, wird nicht selten als „nicht entwicklungswillig“ oder „nicht kritikfähig“ hingestellt…
Die Autorin stellt gängige Systeme der Person-Evaluation auf Basis einer Philosophie der Lösungsorientierung kritisch in Frage.

Monika Hauser:
Solidarität, Stärke, Würde – Unterstützung für traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten

S. 276-287

Zusammenfassung

Die Würde eines Menschen ist untrennbar mit Willensfreiheit, Teilhabe, Anerkennung sowie körperlicher Unversehrtheit verbunden – Dinge, die durch eine Vergewaltigung schwer verletzt werden können. Für die Arbeit der Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale spielt die Wiederherstellung von Würde daher eine zentrale Rolle. Seit fast 20 Jahren setzt sich die Organisation solidarisch und kompromisslos für die Rechte von Frauen und Mädchen in Kriegs- und Konfliktgebieten ein, ungeachtet ihrer politischen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit. Mit psychosozialer Unterstützung und Menschenrechtsarbeit bekämpft medica mondiale sexualisierte Kriegsgewalt und andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf allen Ebenen.

In dem vorliegenden Beitrag berichtet die Gynäkologin und Gründerin der Organisation, Dr. Monika Hauser, von ihren Erfahrungen aus der Projektarbeit in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan, Liberia und Zentralafrika. Sie erläutert unterschiedliche Formen und Funktionen sexualisierter Gewalt und beschreibt deren zerstörerische Folgen für die Überlebenden, die in den meisten Fällen über körperliche und seelische Verletzungen hinausgehen. Hauser nimmt hier die Gesellschaft als verantwortliche Größe in den Blick und zeigt in generationenübergreifender Perspektive, wie sich Tabuisierung, Stigmatisierung und Retraumatisierung auf die Würde von Betroffenen und ihr Umfeld auswirken können – in aktuellen Konfliktländern ebenso wie in Deutschland.

Joachim Kersten:
Polizei, Gewalt und Menschenwürde

S. 288-297

Zusammenfassung

Es geht in diesem Beitrag um die Reibungspunkte zwischen polizeilicher Arbeit und der in demokratischen Gesellschaften gültigen Maxime, dass die Einhaltung der Menschenwürde eine unverbrüchliche Anforderung an diese Arbeit ist und bleiben muss. Im realen Geschehen gibt es in wenigen Professionen so viele konfliktbehaftete Interaktionen wie bei der Polizei. Ob zwischen Polizisten und Einzelnen Gewalt eskaliert oder größere Gruppen (z.B. Demonstranten) mit Ordnungskräften auf „Routinebasis“ aneinander geraten (z.B. Fußballrandale oder Rechts/Links Demos) – es gilt genauer hinzuschauen, wie Gewalt situativ verläuft. Das versucht der Beitrag anhand einiger Beispiele.

Susanne Hucklenbroich-Ley:
Das rote Sofa – Angenommen, es gäbe eine systemische Partei …

S. 298-299

Würdigungen

S. 300-301

Diskussion

S. 302-304

REZENSIONEN

S. 305-320

TAGUNGSBERICHT

S. 321-330

NACHRICHTEN

S. 331

WEINHEIMER KONTAKTE

S. 332-334

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 335-336

REGISTER JAHRGANG 2012, BAND 26

Systhema - Heft 2 - 2012

VORWORT

Ursel Winkler
S. 132

ORIGINALBEITRÄGE

Jörg Clauer:
Scham und Sprachlosigkeit in den Kriegsfolgegenerationen. Körperdialoge und Begegnungsmomente im Kontext transgenerationaler Traumatisierung: Eine persönliche therapeutische Zeitreise

S. 133-151

Zusammenfassung

Der Autor beschreibt, wie seine Arbeit mit Nachkommen von Kriegstraumatisierten und Opfern sexueller Gewalt mit seiner eigenen therapeutischen Zeitreise verwoben ist. Opfer brauchen die Aufmerksamkeit und Anerkennung eines bezeugenden Dritten. Die Lebendigkeit des eigenen Körpers wiederzufinden hilft, Respekt für den lebenden Körper des Anderen zu entwickeln und ihn als Person anzuerkennen. In der konkreten Erfahrung von Zuwendung, emotionaler Resonanz, Anerkennung und Kooperation kann trotz der menschlichen Dualität von Täter und Opfer ein Miteinander als ein Drittes entstehen und helfen, Demütigung, Scham, Sprachlosigkeit und Dissoziation zu überwinden.

Summary

The author´s therapeutic work with victims of sexual abuse or with second world war descendants is interwoven with his own therapeutic journey. Victims need the attention and acknowledgement of the witnessing third. To feel again your own aliveness is an important base to have respect for the body and personality of the other. The experience that someone turns toward us, shows emotional resonance, acknowledgement and cooperation will help us to bridge the divide of humilation, shame, speechlessness and dissociation, and develop a kind of a human common ground as a third in spite of the human duality of victim and perpetrator.

Gabriele Kremer:
„Wer passt denn heute auf mich auf?" - Chancen und Probleme des Einsatzes von Integrationshelfern in der Schule

S. 152-161

Zusammenfassung

Der vorliegende Aufsatz versteht die Schule als ein System, in dem die unterschiedlichen Systemebenen nur lose miteinander verbunden sind. Vor diesem Hintergrund erklären sich zunächst wenig gesteuerte Entwicklungen wie die Etablierung einer neuen Berufsgruppe, die der Integrationshelfer. Integrationshelfer optimieren in Deutschland vermehrt seit ca. 20 Jahren die Förderung von Kindern mit Behinderungen in Grund- und Förderschulen. Gewürdigt wird deshalb zunächst ihre Leistung in der schulischen Arbeit. Eine Analyse, welche Probleme mit dem Einsatz von Integrationshelfern verbunden sind und welche Ansätze zur Verbesserung sich daraus ergeben, schließt sich an.

Summary

The essay at hand considers school as a system in which the different system levels are connected loosely with each other. Against this background one has to understand the establishment of a new occupational group, the so called school assistants.
In Germany school assistants have improved the advancement of children with a handicap in primary schools and special-needs schools since 20 years. That is why their work in schools is dealt with at first in the text. Later on the problems that are connected with the employment of these school assistants and possible improvements are analysed.

Birgit Wolter:
Sendepause zwischen den Generationen - Wenn erwachsene Kinder den Kontakt zu den Eltern auf Eis legen

S. 162-168

Zusammenfassung

Dieser Beitrag beschreibt die jeweiligen Perspektiven sowie die zentralen Fragestellungen und Motive sowohl von den „Verlassenen" als auch von den „Abbrechern" nach einem Kontaktabbruch zwischen zwei Generationen. Abschließend wird die Konsequenz für Beratungssituationen am Beispiel der zentralen Fragestellung „Wie und wozu weiterleben?" skizziert.

ERFAHRUNGSBERICHT

Claudia Riemke:
Burnout oder Der Tanz von Schildkröte und Schwan

S. 169-180

Zusammenfassung

Das Phänomen „Burnout" scheint in der letzten Zeit zuzunehmen und wird auch immer häufiger in der Presse thematisiert. Die vorliegende Arbeit fasst den Beratungsprozess mit einer Klientin zusammen, die ihre Symptome als „drohendes Burnout" beschrieb. Vor diesem Hintergrund entschied sie sich dafür, Beratung im betrieblichen Kontext in Anspruch zu nehmen.
Im Rahmen des Beratungsprozesses zeigte sich, welche inneren und äußeren Faktoren diese Entwicklung begünstigt hatten. Im Verlauf der Beratung gelang es ihr, auf ihre Ressourcen zurückzugreifen, ein anderes Selbstverständnis zu entwickeln und mit ihren Grenzen anders umzugehen.

Summary

The number of clients suffering from the phenomenon "burnout" currently appears to be on the increase, and is also gaining increasing attention in the media. This paper summarizes the counselling process with a client who described her symptoms as "impending burnout". For these reasons, she decided to make use of the employee assistance programme at her work place. ?The course of the counselling process shows the internal and external factors which promoted this development. During the counselling process, the client was able to find her personal resources again, to develop a new understanding of her self as well as a new way of managing her boundaries.

IMPULSE

Christoph Boswyk:
Alternative zur Skulpturarbeit mit echten Vertretern - Ein Bericht aus der Arbeit im Jugendhilfebereich

S. 181-183

Jörn Borke, Michael Grabbe, Barbara Ollefs, Claudia Terrahe-Hecking, Stephan Theiling:
Autonomie - Bindung - Autorität: Elterliche und Professionelle Präsenz im kulturellen Kontext

S. 184-186

Susanne Egerding, Cornelia Götz-Kühne, Peter Luitjens, Marita Mollerus, Claudia Terrahe-Hecking:
They don‘t need no education – aber was dann?

S. 187-188

REZENSIONEN

S. 189-201

TAGUNGSBERICHT

Peter Luitjens:
6. Weinheimer Symposion - Jahrestagung 2012 der SG
„Würde ist tastbar" vom 26. bis 28.04.2012 in Köln
S. 202-204

Karin Küppers, Britta Schmitz
Da kann'se dran fühlen - tastbare Ergebnisse des Würde-Symposions
S. 205

NACHRICHTEN

S. 206-208

WEINHEIMER KONTAKTE

S. 209

ABSCHLUSSARBEITENBÖRSE

S. 209

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 210-215

Systhema - Heft 1 - 2012

VORWORT

Haja (Johann Jakob) Molter S. 5

ORIGINALBEITRÄGE

Judith Haase:
Was ist systemisch? Von der Systemtheorie zur systemischen Praxis

S. 6-18

Zusammenfassung

Dieser Beitrag gibt dem Begriff „systemisch“ eine Bedeutung, indem er die Entwicklung systemischer Praxiskonzepte als Folge der wissenschaftlichen Analyse von Systemen erläutert. Es werden unterschiedliche systemtheoretische Konzepte dargelegt, im Schwerpunkt die soziologische Systemtheorie Luhmanns. Sie ist im deutschen Sprachraum für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen die bedeutendste Systemtheorie. Schließlich werden einige systemische Grundhaltungen und ausgewählte Methoden skizziert, die ihre Wurzeln vornehmlich in der Systemtheorie (Luhmanns) haben.

Summary

This article illustrates the term “systemic” with the help of the development of systemic practical concepts that are a result of the scientific analysis of systems. First, the article discusses different system theoretical concepts. Second, it addresses the sociologic system theory of Luhmann. It is in the German-speaking countries the most important system theory. Finally, the article outlines several systemic (basic) attitudes and selected methods that are mostly based on Luhmann’s systemic theory.

Haja (Johann Jakob) Molter, Karin Nöcker:
Luhmann für mich und dich

S. 19-29

Zusammenfassung

Die Autoren beschreiben und diskutieren Aspekte der Theorie der sozialen Systeme nach Niklas Luhmann und legen einen besonderen Akzent auf seine Kommunikationstheorie. Ihr Anliegen ist es, den Nutzen und mögliche Konsequenzen für die systemische Praxis aufzuzeigen, wenn man sowohl dieser als auch anderen Landkarten folgt.

Summary

The authors describe and discuss aspects of Luhmanns theory of social systems especially his theory of communication. Their prevalent aim is to work out the benefit and possible consequences for systemic thinking and acting, if one follows as well this map concerning social systems and communication and other maps.

Thorsten Möller:
Vorsicht, heiß? Macht, Hierarchie, Verantwortung – ethische Aspekte in der Systemischen Therapie

S. 30-41

Zusammenfassung

Dieser Artikel beschreibt anhand eines Fallbeispiels ethische Aspekte in der Systemischen Therapie. Macht, Hierarchie und Verantwortung werden aus der Perspektive der Beobachtung 1. Ordnung beschrieben und mit Hilfe der Beobachtung 2. Ordnung reflektiert. Die Methode, die der Autor hier zur reflexiven Beobachtung seiner Unterscheidungen gewählt hat, ist ein Dialog zwischen dem Beobachter 1. Ordnung und dem Beobachter 2. Ordnung. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, „blinde Flecken“ in Bezug auf ein für die Systemische Therapie relevantes Thema in den Blick zu nehmen.

Summary

With the help of an example, this article describes ethical aspects of systemic therapy. Power, hierarchy and responsibility are explained from the point of view of the „observation first order cybernetics“ and reflected on from the „observation second order cybernetics.“ The author’s method to reflect this observation is presented as a dialogue between these two viewpoints. The aim of this approach is to face „blind spots“ in a collection of themes that have high relevance for systemic therapy.

Birgit Wolter:
Wie entsteht Neues? – „Effectuation“ – eine Strategie, wie Denken, Entscheiden und Handeln unter Ungewissheit gelingen kann

S. 42-48

Zusammenfassung

Effectuation ist ein Kunstbegriff für eine eigenständige Art zu denken und zu handeln – ursprünglich eine eigenständige Logik, wie erfolgreiche Unternehmer unter Unsicherheit denken, entscheiden und handeln. Das Handeln steht im Zentrum von Effectuation und ist damit ein Unterschied zur linear-kausalen Logik, die sich überwiegend durch Vorhersage und Planung auszeichnet. Die Aktion des Effectuators ist grundsätzlich die prozesshafte Interaktion mit seiner Umwelt.

Auch Beratungsaufträge in systemischer Praxis finden im Regelfall unter „Ergebnis-Unsicherheiten“ statt. Jeder Kunde, der Beratung, Coaching, Therapie oder Supervision konsultiert, kann in einer vergleichbaren Situation – wie ein Unternehmer, der Neues auf den Markt bringen will, – sein. Es gibt auch hier keine Sicherheit, ob die Investition, die der Kunde in entsprechenden Beratungssettings auf sich nimmt, tatsächlich zielwirksam – hinsichtlich Veränderung, Verbesserung oder Erfolg – sein wird. Systemische Trends und Weiterentwicklungen werden auch in und mittels Systemischer Beratung von Menschen und deren Kontexten interaktiv „gemacht“ und damit „effektuiert“.

Summary

How does anything new come into existance?

"Effectuation" - a strategy to help thinking, making decisions and acting in uncertain circumstances
Effectuation is an artificial term for an autonomous way of thinking and acting - originally a unique logic in which successful entrepreneurs behave in uncertainty, how they think, make decisions and how they act. Acting is in the centre of effectuation and it therefore differentiates from causal logic that usually is defined by prediction and planning. The action of an effectuator is usually an interaction.

Counselling assignments usually take place in "result uncertainty" as well. Every client who consults counselling, coaching, therapy or supervision can be in the same situation as a businessman who launches something new on the market. Also in this case there is no certainty if the client is willing to make an investment that leads to change, improvement or success. Trends and further developments are therefore „made“ and „effectuated“ interactively in and through systemic counselling.

Willi Oberheiden:
„Ich gehe nachts nie über eine Brücke.“ – Theologie oder Konstruktivismus, Offenbarung oder Konstrukt, Seelsorge oder Systemische Therapie

S. 49-58

Zusammenfassung

Der Artikel sucht einen persönlichen Brückenschlag zwischen Seelsorge und Systemischer Therapie und deren theoretischem Überbau in Theologie und Konstruktivismus. Ergebnis ist, dass sich auf der einen Seite die Praxis für den Autor aus zwei Quellen speist wie bei einem Kind zweier Eltern. Auf der anderen Seite lassen sich die Theorieprobleme nur in einem dialektischen Prozess mit der Praxis lösen.

Summary

The article is looking for a personal bridge between pastoral care and systemic therapy and its theoretical superstructure in theology and constructivism. Result is that fed on one side of the practice for the author of two sources as a child of two parents. On the other hand, the theory problems can be solved only in a dialectical process with practice.

Carmen Bernard:
Hinter Schloss und Riegel – Systemisches Denken und Handeln in einer totalen Institution

S. 59-70

Zusammenfassung

Der Artikel bietet einen Einblick in die Strukturen einer deutschen Haftanstalt, dem Inbegriff einer totalen Organisation, aus der Sicht einer dort tätigen Systemikerin und Psychologin. Zum einen wird das Gefängnis als ein verdichtetes Abbild unserer Gesellschaft betrachtet, zum anderen als ein komplexes System, sich bewegend zwischen Chaos und strenger Ordnung, zwischen Selbstorganisationsprozessen und engen Überwachungsstrukturen. Es ist der Versuch einer Annäherung an die institutionsspezifischen Faktoren, die von außen wie innen prägend wirken, wie die Inhaftierten und dort Tätigen systemabhängige Lebenswirklichkeiten konstruieren und wie dennoch menschliches und wertschätzendes Arbeiten möglich sein kann.

Summary

The article deals with the structures of a german prison, an epitome of an total institution and with the experience of a Psychologist, working in the institution and specializing in systemic thinking and acting. On one hand the prison is seen as an effigy of our society on the other hand as a complex system moving between chaos and strict order, self organizing processes and patterns of controling.The author seeks to approximate the specific factors of the institution, which have impact inside and outside the institution. She describes how the prisoners and the personal of the prison construct their realities of life depending on the system and how human and respectfull working can be maintained.

Susanne Krakau:
Geschwisterbeziehungen in schwierigen Familienstrukturen und deren Bedeutung für das Aufnahmeverfahren in der stationären Jugendhilfe

S. 71-78

Zusammenfassung

Die Autorin referiert die wichtigsten Ergebnisse und Hypothesen der Geschwisterforschung. Sie beschreibt die Überlegungen und Konsequenzen aus der Forschung für die Aufnahme von Geschwistern in der stationären Jugendhilfe und stellt an den Schluss eine Checkliste zum stationären Aufnahmeverfahren.

Summary

The author reports on the most important results and hypotheses of the research on sibling relationships. She describes the considerations and consequences for siblings if they have to find shelter in a foster home. She presents a checklist for the admission of siblings in a foster home.

Brigitte Geupel, Detlev Dormeyer, Kerstin Horngacher:
Asklepios und Psychotherapie – Die Imaginationsreise ,Gepäck ablegen‘ als Beispiel einer Verbindung zwischen der Asklepios-Kultur mit der hypnotherapeutischen und systemischen Arbeit

S. 79-88

Zusammenfassung

Kann das Asklepios-Heilungsritual der griechischen Antike für heutige Psychotherapie noch Bedeutung haben? Wie kam es zu „Wunderheilungen“? Die Autoren stießen aus unterschiedlichen Annäherungen auf dieses Thema und fanden es interessant genug, um eventuell auch andere Kolleginnen und Kollegen anzuregen.
Der Artikel beginnt mit einem Ausflug in die Zeit des Asklepios-Rituals und schildert seine Durchführung. Ein Exkurs vertieft differenzierteres historisches Wissen zum Thema Heilungen. Im zweiten Teil werden Parallelen zur hypnotherapeutischen und systemischen Arbeit gezogen, insbesondere anhand der Imaginationsreise „Gepäck ablegen“. Als provokative Hypo-these steht im Raum: Könnten Wirkfaktoren des Asklepios-Rituals (und ähnlicher) in der Aktivierung unbewusster Lösungsressourcen, der Distanzierung vom Problem, der Weckung von Hoffnung und dem Hinzukommen von etwas Drittem („Göttlichem“) liegen?

Summary

In ancient Greece there was a God named Asklepios who healed through the method of dreaming. Could that knowledge still be relevant for modern psychotherapy? What are parallels to modern Hypno- and Systemical Therapy? What about that “Wonder-Healings” and the “spiritual aspects and rules” in therapy?
The authors of this article approached the subject from different perspectives and hope to inspire the reader on this matter.

ERFAHRUNGSBERICHT

Klaudia Wolke:
Systemische Therapie in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis

S. 89-94

Zusammenfassung

Die Autorin beschreibt das Sowohl-als-auch systemischer Arbeit im Kontext einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis: das Nutzen der Balance zwischen Diagnose und Therapie nach der internen Überweisung durch einen Arzt an die Therapeutin. Auf Grundlage einer systemischen Betrachtung des Arbeitskontextes schließt sie Empfehlungen für die Systemische Therapie in diesem Kontext an.

Summary

The author describes both diagnosis and therapy in the context of a doctors office for psychiatric treatment of childs and juveniles. She reflects on the balance between diagnosis and therapy after taking over the treatment from the doctor. Based on a systemic view of the context she gives some recommandations for systemic therapy in this context.

INTERVIEWS

Cornelia Hennecke:
I don’t want only the worse, I miss your heart! – Interview mit Heidi Salm, 2007

S. 95-102

Haja (Johann Jakob) Molter:
Systemisches Denken macht die Welt nicht besser?! – Interview mit Fritjof Capra 1991 auf dem Kongress „Das Ende der großen Entwürfe und das Blühen systemischer Praxis“

S. 103-107

DISKUSSION

Johannes Herwig-Lempp:
Lebendige Forschung

S. 108-109

REZENSIONEN

S. 110-113

TAGUNGSBERICHT

Stärke statt Macht: Neue Autorität und Gewaltloser Widerstand in Pädagogik, Psychologie und Therapie

S. 114-115

NACHRICHTEN

S. 116

WEINHEIMER KONTAKTE

S. 117

ABSCHLUSSARBEITENBÖRSE

S. 118-119

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 120-124