Aufbaukurs Systemische Therapie

Ab 2020 bieten wir die Möglichkeit an, den Aufbau zur Systemischen Therapie im Anschluss an das Zertifikat Systemische Beratung auch in einer festen Gruppe zu erleben. Dies gilt sowohl für alle, die am IF Weinheim ein Beraterzertifikat erworben haben, wie auch für Kolleg*innen, deren jeweilige Ausbildungsinstitute Mitglied der SG oder DGSF sind. Wir haben uns für eine Auswahl von Themen entschieden, die wir für relevant in der Entwicklung einer therapeutischen Arbeitsweise erachten. Wir verbinden dabei inhaltliche Kompetenz mit einer Vertiefung prozessorientierten Arbeitens, die vor dem Hintergrund eines systemisch-konstruktivistischen Grundverständnisses auch weitere Blickwinkel und Ansätze einbezieht. Die Übernachtung in Seminarhäusern und der verbindliche und verbindenden Rahmen einer festen Gruppe können einen konzentrierten und an persönlichem Wachstum orientierten Lernprozess ermöglichen. Als Lehrende wollen wir drei unterschiedliche Stile und Zugänge zu systemischem Arbeiten anbieten und wechseln uns in den Kursen in der Leitung ab.

Umfang:

  • 20 Seminartage
  • 12 Tage Supervision
  • 2 Tage Kolloquium  80 UE Untervision
  • 50 UE Eigenarbeit
  • 100 protokollierte Beratungsstunden
  • 1 Abschlussarbeit 

Leitung:
Martina Pestinger, Jens Förster, Tom Pinkall

Zugangsvoraussetzung:
Zertifikat Systemische Beratung des IFW oder eines Mitgliedsinstitutes der SG oder DGSF

Abschluss:
Zertifikat Systemische Therapie (IFW) mit der Möglichkeit der anschließenden Zertifizierung durch die SG

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Seminarinhalte

Keiner kommt allein zu uns – Einzelne und Familien in Therapie

Systemische Arbeit findet sowohl mit Einzelpersonen als auch mit größeren Systemen statt – wie verändert sich die Beratungssituation mit der Zahl der Klient*innen und Beziehungen? Welche besonderen Methoden bieten sich für eine familienorientierte Einzeltherapie an? Wie aktiviere ich ein Bewusstsein für den Kontext und für das Eingebundensein in größere Systeme im Einzelsetting? Wie erreiche ich Allparteilichkeit und wie gehe ich mit Konflikten und eskalierenden Systemen um? Inwiefern beeinflusst mein eigenes Bindungsmuster und mein Konstrukt von Familie und Beziehung die Arbeit mit Klientensystemen?

  • Familienorientierte Beratung und Therapie: Methoden und Konzepte
  • Arbeit mit größeren Systemen
  • Elterncoaching: Elterliche Präsenz und das Konzept des gewaltlosen Widerstands
  • Bindungstheorien und Selbstreflexion
  • Konflikte, Eskalationsdynamiken und Deeskalationsstrategien
  • Phasen in Beziehung: Verliebtsein, Bindung, Trennung, Tod.

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Systemisches Arbeiten mit klinischen Diagnosen

Durch die Anerkennung der Systemtherapie als Heilberuf (Approbation) und angesichts der erfolgten sozialrechtliche Anerkennung (Kassenfinanzierung) ist die systemische Welt gezwungen, sich (wieder) zum Thema „Störung und Krankheit“ zu positionieren. Sie muss daher mit den Begriffen „Diagnose, Störung, Krankheit etc.“ operieren und zeigen, wie sie spezifische Störungsbilder behandelt. Dass und wie sie dabei ihre systemische Identität explizit nutzt und bewahrt, wird im Seminar vermittelt:

  • Unterscheidung zwischen „Störung“ und „Krankheit“ und zwischen Verwendung dieser Begriffe als Beschreibung von Phänomenen (z.B. Magersucht, Phobie, Psychose, Depression ...) und als Erklärung.
  • Prinzipien der Störungsspezifischen Systemtherapie
  • „Systemische Transparenz“ für Klienten und Kollegen
  • Dialog statt Mission: Wie mit Kollegen reden, die anders mit Krankheitskonzepten operieren?
  • Vom Entweder-oder (pro Störungsorientierung oder contra Störungsorientierung) zum Sowohl-als-auch: Sowohl Konstruktion von „Krankheit“ als auch Dekonstruktion pathologisierender Begriffe.

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Trauma, Sinn und Resilienzen – Systemische, hypnotherapeutische und logotherapeutische Zugänge

In unserer beraterischen und therapeutischen Arbeit begegnen uns immer wieder Menschen, die psychische Traumata erlebt haben. Das ist oft erst einmal nicht ersichtlich, da sich vorrangig andere Themen wie z.B. Angst, Schlafstörungen, Paarkonflikte, Sucht, Burnout, Depression oder Ohnmachtsgefühle zeigen.
Wie können wir erkennen, ob ein traumatisches Erlebnis stattgefunden hat und wie arbeiten wir mit Menschen, die solche überfordernden Zeiten und Geschehnisse er- und überlebt haben? Oftmals stellen sich in diesen Situationen und danach Sinnfragen; insgesamt scheint die Konstruktion von Sinn in krisenhaften Situationen ein Resilienzfaktor zu sein (Logotherapie). Wie arbeiten wir damit und wie können wir im Sinne einer Prävention Resilienzen aufbauen?

  • Einblicke in Trauma- und Hirnforschung
  • Formen und Interventionen der Stabilisierung
  • Endlichkeit und Suizidalität
  • Systemische, hypnosystemische und logotherapeutische Methoden und Zugänge
  • Kommunikation und Körperarbeit in der Arbeit mit traumatisierten Menschen
  • Methoden des Resilienzaufbaus aus der Positiven Psychologie
  • Arbeit mit der Frage nach dem Sinn des Lebens

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Lebensformen und ihre Kulturen – Konfliktfelder, Ressourcen und Lösungen

Politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel findet ständig statt. Dies hat vielfältige Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen. Wie gelingt die Anpassung an ständig wechselnde Anforderungen der Umwelt und wie die Auseinandersetzung damit? Wie können wir Neues und Veränderung als Chance begreifen? Was ändert sich, wenn wir die Bewältigungsmuster und Integrationsprobleme mit in die Arbeit einbeziehen? Welche Rolle spielen dabei unsere eigenen Werte? Wie arbeiten wir mit Menschen, die Teile unserer Identität in Frage stellen?

  • Familien im Wandel, unterschiedliche Logiken in Partnerschaften
  • Paardynamiken, Wertekonflikte, Liebe und Sexualität
  • Sich verändernde Familienbilder, Normen und Werte in der Erziehung
  • Neue Arbeitsstrukturen und ihre Auswirkungen auf kleine und große Systeme
  • Demographischer Wandel und seine Auswirkungen
  • Migration, Integration – Multikulturalität versus Transkulturalität
  • Sexuelle Identität – Körper, Geist und Spiritualität
  • Wertekonflikte zwischen Beratenden und Klienten
  • Gesellschaftliche Umbrüche und ihre Herausforderungen

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Leben ist Leiden und Lachen zugleich - Achtsamkeit, Akzeptanz und die Werte des eigenen Lebens

Das Leid als Leid akzeptieren, werteorientierte Entscheidungen treffen und danach handeln. Dies sind einige der therapeutischen Schritte von ACT (Acceptance and Commitment Therapy), einer neuen psychotherapeutischen Schule, die ihre Wurzeln in der Verhaltenstherapie hat und sich zugleich hervorragend mit systemisch-konstruktivistischem Denken und Handeln in Dialog bringen lässt.
Sie versucht zu psychischer und sozialer Flexibilität anzuregen, um die Fragen des Lebens immer wieder neu beantworten zu können.

Der MBSR-Ansatz (mindfulness based stress reduction) wird seit 1979 durch Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn und seinem Team in Massachusetts entwickelt. Er hat mittlerweile in vielen therapeutischen und medizinischen Kontexten Fuß gefasst und konzentriert sich auf Veränderungen in der Reaktion auf Stress auslösende Erlebnisse. Regelmäßige Sitzmeditation, Yoga-Übungen, Gehmeditation und eine besondere Körperwahrnehmungsübung (Bodyscan) bilden hierbei die formale Praxis.
Im Seminar stellen wir beide Ansätze vor, erleben sie und verdeutlichen Verbindungen zu systemischer Haltung und Methodik:

  • Einführung in Achtsamkeitspraxis und ACT
  • Vorstellung der grundlegenden Denkmodelle
  • Kontraintuitive Zugänge zu Veränderung
  • Der Körper im System - Übungen, die nicht nur auf Sprache setzen
  • Die therapeutische Beziehung im gegenwärtigen Moment nutzbar machen

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Termine

Aufbaukurs Systemische Therapie

Seminar-Nr.: 20ST-01-00

Beginn: Oktober 2020, 1. Seminar: 12.10.-15.10.2020

Leitung: Martina Pestinger, Jens Förster, Tom Pinkall

Ort: Horrem/Nahe Kerpen

Weitere Termine:

09.03.-12.03.2021, Ort: Horrem/Nahe Kerpen

08.06.-11.06.2021, Ort: Horrem/Nahe Kerpen

07.12.-10.12.2021, Ort: Horrem/Nahe Kerpen

26.04.-29.04.2022, Grasellenbach im Odenwald

Kolloquium

17.11.-18.11.2022

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