„Und so wollen wir leben?!“ – Interdisziplinäres Forum 2020 des IF Weinheim und Jahrestagung der Systemischen Gesellschaft

2020 wird das IF Weinheim 45 Jahre alt. Wenn man so alt ist, kann man schon mal etwas wagen. Deutlich abweichend vom klassischen Tagungsformat wollen wir eine neue Form des Gedankenaustauschs anbieten, die Teilnehmer- und Impulsgeber*innen zu einem ergebnisoffenen Dialog zusammenbringt. Dabei wollen wir uns einer Frage stellen, die weit über unseren beraterischen Alltag hinausgeht: „Wie wollen wir leben?“.

Es freut uns sehr, dass das Forum 2020 als wissenschaftliche Jahrestagung der Systemischen Gesellschaft stattfindet, die den Auftakt der neuen Dekade 2020 – 2030 bildet.

Wir möchten ein Forum zur ­Verfügung stellen, um eine große Bandbreite von Phänomenen zu ­betrachten, die gerade in der Luft liegen. Wir erleben eine Umwelt mit offensichtlichen oder proklamierten Krisen, Fake News und einer aufbrechenden gesellschaftlichen Entwicklung. Im Forum – dem antiken Ort von ­Diskussion und Auseinandersetzung – möchten wir die Herausforderungen systemisch weiterdenken. Auf Impulse folgen Multiperspektivität und neue Aufmerksamkeiten. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, elf Menschen aus anderen Disziplinen, die für „ihr“ Thema brennen, als Impulsgeber*innen einzuladen. Mit ihnen möchten wir über das Bekannte unserer täglichen Arbeit hinausschauen und unser Denken und Handeln kreativ und spielerisch anregen und hinterfragen lassen. Betei­ligung, laut oder leise, ist erlaubt und erwünscht. In kleinen Gruppen von ca. 15–20 Teilnehmenden werden zunächst kurze Beiträge von unseren Impulsgeber*innen eingebracht. Je ein/e Dozent*in des IF Weinheim wird eine Gruppe den Tag über begleiten und moderierend die Weiterentwicklung der Diskussionsprozesse anstoßen. Anregungen wird es von mehreren Impuls­geber*innen geben, die Ausgangspunkte für einen engagierten Dialog sind, bei dem vorab keiner sagen kann, was entstehen wird (siehe auch Grafik in der Innenseite). Für dieses innovative Format kann es nicht anders sein, als dass die Gruppen sich auf eine besondere Art finden und man neugierig darauf sein kann, welche Impulsgeber*innen man kennenlernen wird. Vielleicht kein Mainstream-Kongress, diese wissenschaftliche Jahrestagung?

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Mit Prof. Dr. Arist von Schlippe konnten wir zudem nicht nur einen Kollegen als Redner gewinnen, der als ausgewiesener systemischer Denker und Wissenschaftler das systemische Denken maßgeblich geprägt hat, sondern auch einen Weinheimer, der die Geschichte des Instituts in besonderer Weise repräsentiert. 

Damit der Dialog, das Denken der Impulse auch nach unserem Forum weiter vernetzt werden kann, freuen wir uns sehr über die Kooperation mit dem Fachbereich Prozessdesign von Prof. Dr. Birgit Mager der TH Köln. Ihre Student*innen werden uns in diesem Prozess beobachten und ihre Resonanzen auf ihre Art und Weise einfangen und aufbereiten. Ganz im Sinn der Beobachtung zweiter Ordnung werden wir uns überraschen lassen, wie die Student*innen uns ihre Kommunikationen wieder zur Verfügung stellen. 

Und zu guter Letzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen des IF Weinheim, die in den vergangenen 45 Jahren am Institut gelehrt und gearbeitet haben, sowie auf viele Absolventinnen und Absolventen. 


Auf wen können Sie sich freuen? – 

Die Impulsgeber*innen:

 

Eingeladen haben wir die Literaturwissenschaftlerin Dr. Julia Hoydis, die sich mit den Themen Klimawandel und einer sich verändernden Medienlandschaft durch die Digitalisierung beschäftigt. Vertrauen in klassische Erzählformen wie Literatur, Film und Fernsehen schwinden zugunsten leicht konsumierbarer, serieller, interaktiver For­mate. Einige von uns würden behaupten, dass dadurch empathische Fähigkeiten schwinden. Sie interessiert vielmehr, wie diese „unvorstellbaren“ Krisen in der ­Literatur erzählt werden. Und wer diesen Geschichten (noch) zuhören möchte. Denn welchen Fiktionen wir Aufmerksamkeit schenken, bestimmt ganz zentral, wie wir meinen heute leben zu wollen und sollen.

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Dr. Anita Galuschek schenkt uns als Ethnologin und Philosophin einen Einblick in ihr interdisziplinäres Dissertationsprojekt, ein pädagogisches Comic, das einen Perspektivenwechsel in der Wahrnehmung der persön­lichen Lebenswelt ermöglicht. Ziel des Comics ist es, zu verdeutlichen, wie Relationalität in den alltäglichen Beziehungen einer global vernetzten ­Gesellschaft gedacht werden. Ein praktisches Beispiel für die Arbeit mit Ich-Wahrnehmungen.

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Dr. Tobias Knobloch, Managing Analyst, beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Technik und Gesellschaft. Mit dem Satz von US Investor Marc Andreessen startet er sein Abstract: „Software ist eating the world“ und stellt sich dabei kritisch die Frage, welche Abhängigkeiten von Softwarelösungen bestehen, die unser Leben einfach und bequem machen und uns dabei einem Effizienzregime einer wirtschaftlichen Verwertungslogik unterwerfen. Wie hat es unser soziales Gefüge bereits verändert und was liegt dahinter?

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„Und wie wollen wir sterben?“, lautet der Titel von Monika Müller. Sie leitet seit 20 Jahren die Landeskoordinierungsstelle für Hospizarbeit in NRW und stellt sich die Fragen: Führen wir noch ein Leben oder leben wir schon? Wie können wir uns dem Leben im höchsten Maß widmen und mit alten, kranken und sterbenden Menschen verbunden bleiben?

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Anja Tanas, Oecotrophologin, Food Journalistin und Fernsehköchin, stellt sich die Frage, ob Genuss in Zukunft noch eine Rolle spielen wird. Liegt nicht stattdessen bereits das schlechte Gewissen im Kühlschrank? Anja Tanas verbindet Lebensmittel und deren Zubereitung mit einer politischen Perspektive und stellt unsere Essgewohnheiten auf den Prüfstand.

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Christian Röser, Gründer und 1. Vorsitzender des Starkmacher e.V., begleitet seit Jahren geförderte Projekte, z.B. das Gewaltpräventionsprojekt „Stark ohne Gewalt“, in dem Schüler*innen in einer Projektwoche ein Musical auf die Beine stellen. Er ­beobachtet ein wachsendes Aus-dem-Weg-Gehen vor Verantwortung mit immensen Auswirkungen. Seine Anregung: Bitte positionieren Sie sich! 

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Was kaputt ist, kann weg? Lisa Kuhley, Gründerin und Projektkoordinatorin des „Café kaputt“ in Leipzig, trifft täglich Menschen, mit denen Sie Dinge repariert. Sie hat ­viele Ideen, was eine Post-Wachstumsgesellschaft ausmachen könnte.

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Andreas Hollstein steht als Bürgermeister von Altena (NRW) einer städtischen Verwaltungsbehörde vor und kann aus dem Innenleben vieler Jahre aktiver Politik ein Bild zeichnen. In der Zeit hoher Flüchtlingszahlen hat er durch seine Politik ein Zeichen großer Menschlichkeit gesetzt – gegen manche Widerstände.

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Martin Streit zeichnet und fotografiert nicht nur im übertragenen Sinne. Er möchte uns mit seinem Impuls „Prozesse des Sehens“ für Visionen von Farbklang und -raum sensibilisieren, die sich der Kontrolle des Künstlers entziehen.

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Der Executive Mentor, Autor und Keynote Speaker Jörg Hawlitzeck wird Vorschläge unterbreiten, wie unser Mindset zukunftsfähig bleiben oder werden kann, damit wir auch morgen noch im Spiel sind.

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Die Betriebswirtin und Prozessbegleiterin Ruth Beilharz tritt dafür ein, eine Streit­kultur zu entwickeln, die Unterschiede und Widersprüche ins Wort bringt. Ihr Titel: „An Unterschieden wachsen“.

 

 

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Für das IF Weinheim dabei sind: Christopher Klütmann, Sebastian Baumann, Hagen Böser, Jens Förster, Bettina R. Grote, Dennis Haase, Cornelia Hennecke, Eva Kaiser-Nolden, Andreas Klink, Barbara Ollefs, Martina Pestinger und Tom Pinkall.

Wir sind gespannt, welche Fragen sich aus unserem Forum möglicherweise entwickeln werden, und freuen uns auf lebhafte Diskussionen. Am Abend gibt es bei einer fulminanten Geburtstagsparty Gelegenheit, die neuen Gedanken zu festigen und auch zu verflüssigen. 

Das interdisziplinäre Forum 2020 findet am 14. November 2020 von 10:00 bis 18:30 Uhr – mit der Party am Abend anlässlich des 45. Geburtstag des IF Weinheim – im Stollwerk in Köln statt.

Teilnahmegebühr:
SG- und DGSF-Mitglieder: € 179,-
Alle anderen: Frühbucherrabatt bis 31.03.2020 € 179,-;
ab 01.04.2020: € 199,- 

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Programm >> Tagungen

Tagungen

Leider sind alle Termine abgelaufen.

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Grußwort der Systemischen Gesellschaft zum Forum 2020

Das älteste systemische Institut in Deutschland feiert sein 45-jähriges Jubiläum. Als Vorstand der Systemischen Gesellschaft freuen wir uns, diesen ­Geburtstag mit unserem Mitgliedsinstitut gemeinsam begehen zu können. Fast ein halbes Jahrhundert hat das IF Weinheim seine Spuren in der systemischen Landschaft und bei der persönlichen und beruflichen Orientierung von einer Vielzahl an Weiterbildungsteilnehmern hinterlassen. 

Das Institut steht, wie kaum ein zweites, für die Entwicklung und Verbreitung systemischer Ideen, eine prägende und tiefgreifende konstruktivistische Haltung und eine stark erfahrungsgeleitete Didaktik. 

Die bewegte und bewegende Geschichte des IF Weinheim ist geprägt von der Idee, die ­systemische Haltung hinaus in die Welt zu tragen. Als erstes Mitgliedsinstitut der SG hat es systemische Weiterbildungsangebote in ganz Deutschland angeboten, mit der eigenen Fachzeitschrift „Systhema“ liefern die Weinheimer seit drei Jahrzehnten fundierte Fachbeiträge aus Praxis und Wissenschaft, und die nunmehr vierte Generation an Lehrenden bereichert inzwischen auch international die systemische Landschaft.

Es gibt also genügend Gründe, dieses Jubiläum gemeinsam zu feiern. Dass das IF Weinheim dabei keine gewöhnliche Tagung für sein Jubiläum organisiert, ist selbstredend. Auch hier bleiben sich die Lehrenden des Instituts treu: immer wieder Neues zu wagen, den Mut zu haben, Bestehendes zu hinterfragen, immer mit dem Fokus, Möglichkeiten zu erweitern. 

Die Jubiläumsveranstaltung in Form eines interdisziplinären Forums schließt einen Kreis. Einen Kreis zurück zu den Wurzeln und den interdisziplinären Anfängen der Systemik. Es passt zu den Weinheimern, dass sie sich mit dieser Veranstaltung mal wieder raus aus der Komfortzone etablierter und bewährter Strukturen wagen, in ein Experimentierfeld mit offenem Ausgang. Es zeigt, dass sich dieses altehrwürdige Institut seine jugendliche Frische und Integrität bewahrt hat, dass es nicht allein aus der Substanz des Bewährten schöpft.     

Als Vorstand der Systemischen Gesellschaft wünschen wir dem Institut und seinen Lehrenden: Bewahrt euch diese Integrität, seid weiterhin so mutig, freischaffend und reflektiert, und bereichert auch in den kommenden Jahrzehnten die Welt und unseren Verband mit diesem Geist. 

Michael Bemmann, Ulrike Borst

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