Systhema - Heft 3 - 2015

VORWORT

Maria-Katharina Rolf, Cornelia Tsirigotis    
S. 252-253

Nachruf

Zum Tode von Gudrun Popken-Gulyás    
S. 254-257

ORIGINALBEITRÄGE

Marcel Pytka:
Warum die systemische Sozialarbeit ein großer Gewinn für die moderne Praxis der Elementarpädagogik ist.
Oder: Ein Plädoyer für den Ausbau der systemischen Didaktik und Methodik in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern

S. 258-280

Zusammenfassung

In den letzten Jahren hat sich das Handlungsfeld der Frühpädagogik enorm entwickelt und die Fachkräfte haben an entsprechender Professionalität gewonnen. Dieser Zuwachs an „Professionalität“ ist auch auf eine Erstarkung und Ausdifferenzierung der Theorien bedeutender Bezugsdisziplinen wie der Neurowissenschaft, der Psychologie oder der Erziehungswissenschaft zurückzuführen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sieht der Autor die Gefahr, dass ErzieherInnen ihren ursprünglichen Aufgabenbereich vergessen, um stattdessen zu versuchen die besseren TherapeutInnen und LehrerInnen zu sein. Er schlägt den Fachschulen vor, den sozialarbeiterischen Kern des Handlungsfeldes neu zu betonen. Er zeigt die systemische Sozialarbeit als Teil der modernen Elementarpädagogik auf, die auch dafür genutzt werden sollte, künftige Fachkräfte für die spezifischen Anforderungen der ErzieherInnenpraxis fit zu machen.

Abstract

In recent years, the field of action for early childhood education has developed enormously and the professionals have gained correlative professionalism. This increase in "professionalism" is also due to a strengthening and differentiation of theories of important reference disciplines such as neuroscience, psychology or educational science. Against the backdrop of these developments, the author sees a risk that educators forget their original remit and try instead to be better therapists and teachers. He proposes the schools to emphasize the social core of the field of action. He shows the systemic social work on as part of the modern elementary education, which should also be used for making future professionals fit for the specific needs of educators practice.

Tim Middendorf:
Viel bringt viel? – Systemische Ausbildungssupervision mit zwei Supervisoren

S. 281-290

Zusammenfassung

In Beratungssituationen sind wir häufig mit der Überlegung konfrontiert, in welcher Form wir einem anfragenden System gerecht werden können. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Anzahl der zu beratenden Personen. In diesem Artikel nimmt der Autor Bezug auf die Erwachsenenbildung und zeigt ein systemisch-konstruktivistisches Verständnis des Lernens. Daraus entwickelt er ein Konzept der Co-Beratung und zeigt förderliche und hinderliche Aspekte der Arbeit mit zwei Beratern auf.

Abstract

In counseling situations, we have to think seriously how to mange the complexity of the system. A decisive factor is the number of persons. In this article, the author refers to the adult education and shows a systemic-constructivist understanding of learning . He developed a concept of co-counseling, describing that stimulate and inhibit aspects of working with two consultants.

ERFAHRUNGSBERICHTE

Susanne Mathiak-Alfringhaus:
Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnten nicht so viele Wirklichkeiten entstehen – Systemisches Denken in der Schule am Modell JanS (Jugendhilfe an Schule)

S. 291-299

Zusammenfassung

Gesellschaftliche und pädagogische Entwicklungen haben das Anforderungsprofil, die pädagogischen Bedarfe und das Leben in der Schule stark verändert. So ist Schule heute mehr denn je zu einem wichtigen Lern-, Sozialisations- und Lebensort geworden. Die Autorin geht der Fragestellung nach, welche Chancen für das System Schule in systemischen Denk- und Handlungsmustern liegen. Im Zuge dessen stellt sie die Entstehung, Entwicklung und die Arbeit des Modells JanS (Jugendhilfe an Schule) vor – ein Kooperationsmodell in NRW, welches die Entwicklung und Sozialisation von Grundschülern an ihrem Lern- und Lebensort Schule unterstützt und fördert. Die Autorin nimmt die Gesprächskultur und die Arbeit in einer multiprofessionellen Verantwortungsgemeinschaft in den Fokus. Anschließend erlaubt eine Fallstudie Einblick in die Arbeit von JanS.

Abstract

Social and educational developments have changed requirements, educational needs and life at school dramatically. More than ever school is an important place of learning, living and social life today. The author is dealing with the question which chances there are in the school system as far as patterns of systemic thinking and acting are concerned. She presents the origin, development and way of working of the JanS model (German abbreviation for Youth welfare at school) - a model of cooperation in North Rhine-Westphalia, which supports and promotes the development and socialization of pupils at primary schools.
The article focuses on the culture of communication and the way of working with a multi-professional group of responsibility. A case study allows a view on the way it works.

 

Martin Steinkamp, Sibylle Hüdepohl:
Fest verankert – ein Bühnen-Bild mit Wirkung

S. 300-305

Zusammenfassung

Der Artikel beschreibt den Hintergrund, die Durchführung und die Wirkung eines Inputtheaterstücks zur Neuen Autorität. „Fest verankert“ wurde als Kooperationsprojekt konzipiert und mehrfach aufgeführt, in der anschließenden Diskussion entwickeln sich lebendige Dialoge. Der Zuspruch und die Resonanz der Zuschauer bestärkten die Akteure zur Fortsetzung und Differenzierung des Formates.

Abstract

The article describes the background, the implementation and the effect of the stage play about the new authority. The play is called strong anchored und is a cooperation project. In five performances and the following discussions many interesting conversations developed. The encouragement and acclaim confirmed us to follow this idea and to modify the mode.

 

Mareen Sieb:
Inklusion – ganz exklusiv

S. 306-315

Zusammenfassung

In diesem Bericht reflektiert die Autorin ihre Erfahrungen als Förderschullehrerin im Zuge schulischer Inklusionsbestrebungen. Mehr und mehr Schulen erhalten den Auftrag, sich zu inklusiven Schulen zu entwickeln. Die Autorin berichtet von geringer gemeinsamer Auseinandersetzung der Lehrkräfte an ihrer Schule. Stattdessen wurde versucht tradierte pädagogische Glaubenssätze weiterhin aufrechtzuerhalten. Neue Exklusionsprozesse unter MitarbeiterInnen wie SchülerInnen wurden angestoßen.

Abstract

This report reflects on the authors' work experiences as a special ed. teacher in the course of the school reform towards inclusive education. Increasing numbers of schools are assigned to change into inclusive schools. However, the author asserts that no discussions of the idea or understanding of inclusion took place amongst the teachers. Traditional pedagogical beliefs were maintained. New patterns of exclusion amongst colleagues as well as students were triggered instead.

IMPULSE

Thomas Köhler-Saretzki, Alexandra Roszak, Nancy Weinhold:
Anleitung zum glücklichen Elternsein oder Das bisschen Erziehen geht doch von allein   

S. 316-330

Zusammenfassung

Ohne Frage! Die Anforderungen an ein erfolgreiches und glückliches Elternsein sind in den letzten Jahren gestiegen und auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt komplexeres Denken und Handeln voraus als noch zu Schwiegermutters Zeiten. Trotzdem gelingt es jedes Jahr Tausenden von Frauen mit Hilfe der aufopferungsvollen Unterstützung moderner Väter, diese Aufgabe erfolgreich zu meistern und ein Kind zu erziehen, welches den Ansprüchen einer postmodernen Welt entspricht.
Dafür dient die folgende Anleitung. Mit ihrer Hilfe soll zum einen Hoffnung vermittelt werden, dass es mit ein wenig Anstrengung durchaus gelingen kann, glückliche Eltern zu werden. Und zum anderen soll durch die Darstellung konkreter Handlungsanweisungen Sicherheit für den Alltag vermittelt werden, diese Herausforderung auch tatsächlich bewältigen zu können.

Abstract

Without question! The requirements for successful and happy parenting have increased in recent years  and  our  work life balance requires more complex thinking  than in the old days: Nevertheless, thousands of women, of course with the support of self-sacrificing modern day fathers  are successful in raising children, to meet the demands of a postmodern world.
To guide you through this process we wrote the following article. On the one hand, the guidelines provide  you with the hope that one can succeed with little effort in becoming happy parents. And on the other hand by  following these concrete guidelines they provide you  with specific advice for the everyday challenges that you might face.

Leyla Hamzaoglu:
Systemisch-biografische Arbeit mit Roma-Familienin Hamm    

S. 331-342

Zusammenfassung

Die schulische und soziale Integration von Roma-Familien im Hammer Westen ist ein Hauptbestandteil meiner Arbeit. Die Familien haben eine andere Sicht und andere Ansprüche an die Gesellschaft, als wir denken. Sie sehnen sich nach Wertschätzung und Akzeptanz. Durch die systemisch biografische Arbeit sollen die Roma zu Wort kommen und ihre Probleme und Wahrnehmung schildern, damit Aufmerksamkeit auf diese Bevölkerungsgruppe gelenkt und Verständnis für die Situation der Roma-Familien geschaffen wird.

Abstract

The integration of Roma families in schools and society in Hamm-West is a major part of my work. The families have different points of view as we believe they have. They crave appreciation and acceptance. By systemic biographical work, the Roma get the opportunity to portray their perception, thereby attention is drawn to the community and understanding for the situation of Roma families will be created in society.

REZENSIONEN     

S. 343-350

NACHRICHTEN · WEINHEIMER KONTAKTE

S. 351-355

TERMINE / VERANSTALTUNGEN     

S. 356-358

REGISTER JAHRGANG 2015, BAND 29     

S. 359-362

 

 

Systhema - Heft 2 - 2015

VORWORT

Hans Schindler    
S. 160

ORIGINALBEITRÄGE   

Hans-Peter Heekerens:
90 Jahre Familientherapie – Spurensuche auf entlegenem Gelände

S. 161-170

Zusammenfassung

Es wird der These Salvador Minuchins nachgegangen, man habe den Beginn der Familientherapie im ersten Behandlungsfall Frederick H. Allens an der Philadelphia Child Guidance Clinic im Jahre 1925 zu sehen. Theorie und Praxis des Psychiaters Allen und die Arbeitsweise der „Philadelphia“, deren Direktor er über drei Jahrzehnte war, wird betrachtet; ebenso die beiden bedeutenden Kontexte: die durch Ideen der Mental Hygiene-Bewegung geprägten Child Guidance Clinics der 1920er und 1930er einerseits und andererseits der Funktionale oder Rankianische Ansatz des Social Casework, wie er damals an der Pennsylvania School of Social Work entwickelt wurde.

Abstract

The article examines Salvador Minuchins’ thesis that the treatment case of Frederick H. Allens at the Philadelphia Child Guidance Clinic in the year 1925 marked the beginning of family therapy. It looks upon the theoretical and practical work of the Allens’ psychotherapist and the working methods of the "Philadelphia", whose director he was for over three decades. Furthermore, the two major contexts of his work are discussed: first, the Child Guidance Clinics of the 1920s and 1930s that is characterized by the ideas of the Mental Hygiene movement and second, the Functional or Rankian approach of Social Casework in the way it was developed at the Pennsylvania School of Social Work back then.

Haja (Johann Jakob) Molter, Karin Nöcker:
Vom Umgang mit der Paradoxie Gleichheit und Differenz

S. 171-174

Zusammenfassung

Die Autoren reflektieren die Herausforderung, vor der systemisch Denkende und Handelnde sich in Therapie, Beratung, Supervision und Coaching angesichts der Paradoxie von Gleichheit und Differenz gestellt sehen. Sie zeigen auf, dass es im Zuge der wachsenden Transkulturalität notwendig ist, ein vielfältiges Verständnis für Kulturen zu erzeugen und den Blick nicht auf Ausgrenzung, sondern auf Anpassungsmöglichkeiten zu legen und somit nach Möglichkeiten für einen kulturellen Austausch zu suchen. Damit ist nicht Integration gemeint, sondern es geht darum, die Phänomene der Unterschiedlichkeit zu inkludieren.

Abstract

The authors reflect that therapists, supervisors, coaches and counsellors have to meet the challenge of the paradox of equality and difference. In regard of the growing transcultural development in society they point at a multifaceted understanding for the cultures. Instead of integration they vote for inclusion of the phenomena of differences.

Torsten Mathies:
Vom Wissen zum Erkennen – Essay über Metakommunikation in Organisationen

S. 175-184

Zusammenfassung

Organisationen operieren heute in einer Umwelt, deren Veränderungsdynamik zunimmt. Es werden nur solche Organisationen überleben können, deren eigener Veränderungsprozess sich dieser Dynamik anpasst. Wissensmanagement beschreibt einen solchen, neuartigen Veränderungsprozess. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass es nicht darum geht, Wissen wie eine weitere Ressource zu verteilen und zu mehren. Wissensmanagement sollte sich als Metakommunikation verstehen, mit deren Hilfe neue Kommunikationsmuster ermöglicht werden.

Abstract

Organizations operate in an environment in which dynamic of change is increasing.
Only those organizations will survive whose own change process is aligned with this dynamic. Knowledge management describes such new kind of change process.
Experience shows, that the knowledge management can’t be a process that distributes and allocates knowledge as a resource. Knowledge management should be understood as observation of communication, as meta-communication, that helps to develop new patterns of communication.

Brit Wilczek:
Erwachsene mit hochfunktionalem Autismus in der psychotherapeutischen Praxis – Herausforderungen und Chancen

S. 185-204

Zusammenfassung

Der Artikel stellt zunächst ein wachsendes öffentliches Interesse am Thema des hochfunktionalen Autismus fest, das sich auch in einer Zunahme an Anfragen hinsichtlich Autismus spezifischer Diagnostik und Psychotherapie widerspiegelt. Er konstatiert eine Relevanz fundierter Informationen zum Autismus in der allgemeinen psychotherapeutischen Praxis, ausdrücklich auch im Erwachsenenbereich. Es werden sodann einige Basisinformationen zur autistischen Grundproblematik und zum autistischen Erleben vermittelt und Implikationen sowie konkrete Themen für die Psychotherapie daraus abgeleitet. Schließlich werden einige bewährte Ansätze und Methoden in der psychotherapeutischen Behandlung sekundärer psychischer Störungen bei Erwachsenen mit hochfunktionalem Autismus aufgeführt.

Abstract

The article states first a growing public interest concerning the issue of highly functional autism which is reflected in the increasing requests regarding autism-specific diagnostics and psychotherapy.
It states a relevance of established information in regard to autism in the general psychotherapeutic practice, specifically for adults. This is followed by elementary information about the basic autism problems and about autistic experience and implications as well as specific issues derived from them. Finally there are presented some approved approaches and methods in psychotherapeutic treatment of secondary mental disorders in adults with highly functional autism.

 

ERFAHRUNGSBERICHTE  

Eine autistische Klientin

S. 205-208

Markus Fleischer:
Systemische Beratung im beruflichen Kontext –
Projektbericht im Rahmen der Ausbildung zum Systemischen Berater am IF Weinheim

S. 209-227

Zusammenfassung

Der Autor befindet sich in der Ausbildung zum Systemischen Berater am IF Weinheim und bietet in diesem Rahmen Systemische Beratung an seinem Arbeitsplatz an. Dabei hat er festgestellt, dass der berufliche Kontext Einfluss auf die Beratungen hat. Anhand einer Beratung wird dargestellt, dass der Autor zwei wesentliche Einflussfaktoren identifiziert hat. Daraufhin wird erläutert, welche Maßnahmen er getroffen und welche Hilfsmittel er eingeführt hat, um die Beratungen an den Beratungskontext anzupassen. Abschließend stellt der Autor die Nutzung von systemischen Methoden im Rahmen seiner Führungstätigkeit vor und stellt ein Kompetenz­modell zur Unterscheidung von Fachberatung und Systemischer Beratung vor.

Abstract

The author is providing systemic consulting at work as part of his training ”Ausbildung zum Systemischen Berater“ at the IF Weinheim. He identified that the work relationship to his clients has an effect on his consulting. It is explained which action he has taken and which tools he has developed to adopt his consulting to the specific workplace context. Finally he gives examples of how systemic methods improve his leadership skills and how a competency model helps to distinguish expertise consulting from systematic consulting.

BERUFSPOLITISCHES

Hans Schindler:
In der wunderschönen Zeit dazwischen (6)

S. 228-231

DISKUSSION     

Jürgen Hargens:
Danke, Hans Lieb!

S. 232-233

REZENSIONEN 

S. 234-241

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 243-246

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Systhema - Heft 1 - 2015

VORWORT

Haja Molter, Andreas Klink    
S. 5-6

THEMENSCHWERPUNKT: 40 JAHRE IF WEINHEIM – 1001 GRÜNDE ZU FEIERN    

Ulrike Borst:
Zum Glück!

S. 7            

Eberhard Hauser:
Wie angehende Schamanen

S. 8-10

Robert Becker:
IFW – Ein Institut, zwei Vereine … und noch vieles mehr

S. 11-15
        

Barbara Gerblich, Hans-Gerd Nassenstein, Norbert Kevenhörster, Evelyn Runde, Ursula Witt, Birgit Wolter:
Ganz schön „weinheimelich“ – Perspektiven einer Intervisionsgruppe

S. 16-18

Arist v. Schlippe:
Barbara Brink

S. 19-20

Gesa Jürgens:
Von Anfang an dabei

S. 21-23

Andreas Klink:
Gudrun Popken-Gulyás

S. 24-25
    

Gesa Jürgens:
Heidi Salm

S. 26-28

Cornelia Hennecke:
Gesa Jürgens

S. 29-32

Haja (Johann Jakob) Molter:
Wer A sagt, muss auch Gesa gen

S. 32

Hans Lieb:
Ulla Tröscher-Hüfner

S. 33-35

Haja (Johann Jakob) Molter:
Gespräch mit Heiner Ellebracht am 14. Januar 2015

S. 36-39

Michael Grabbe:
„Zwischen Himmel und Erde verwurzelt“ –
Gedanken zu Maria Solmsen (1942–2002)

S. 40

Karin Nöcker, Haja (Johann Jakob) Molter, Arist v. Schlippe:
Zum Abschied aus dem Lehrtherapeutenteam von Michael Grabbe

S. 41-45

ORIGINALBEITRÄGE

Heidi Salm († 2011):
Wie erleben Kinder die Trennung ihrer Eltern?
Anstöße zum Beobachten und Nachdenken

S. 46-54

Zusammenfassung

Die Autorin, die zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung auf eine über 15-jährige Praxis als Familientherapeutin zurückblickt, widerspricht in ihrem Beitrag einer These von Wallerstein und Blakeslee (1989). Diese behaupten, dass Kinder nach Scheidung ihrer Eltern ihre Erlebnisse ausschließlich negativ bewerten. Die Autorin lässt die betroffenen Kinder persönlich über ihre Erfahrungen mit der Trennung der Eltern sprechen. Sie betont allerdings auch, dass von einer bleibenden Entlastung der Kinder nach Scheidung erst dann gesprochen werden kann, wenn im Partnerkonflikt auf gegenseitige Beschuldigungen und Verletzungen verzichtet werden kann und jeder bereit ist, eigene Verantwortlichkeit in der gelebten Elterngemeinschaft zu reflektieren.

Abstract

The author, with 15 years experience as family therapist, contradicts in the article a thesis of Wallerstein and Blakeslee (1989). They claim that kids after the divorce of their parents value their experiences exclusively negative. The author describes what the concerned kids report about their experiences after a divorce. She emphasizes indeed, that one can only speak of a permanent relief for the kids if the partners renounce to accuse and hurt each other and they are ready to reflect their responsibility for the passed partnership.

 

Karin Nöcker, Haja Molter:
Fallbeispiel. Geschichten neu und anders erzählt: Zu neuen Ufern aufbrechen

S. 55-61

Zusammenfassung

Die Autoren entwickeln auf dem Hintergrund narrativer Denkansätze ein spezifisches Vorgehen in Beratung und Coaching, um belastende (Leidens)geschichten neu zu erzählen bzw. zu dekonstruieren. Ihr Anliegen ist es, ihre Kunden in Bezug auf ihre Ziele und die Möglichkeiten der Lösungen zu unterstützen. Es geht nicht darum, positiv erzählte Geschichten in den Vordergrund zu stellen oder negativ erlebte und erzählte Geschichten auszublenden oder sie ungeschehen zu machen. Vielmehr geht es darum, sie mit neuen Bedeutungen zu belegen, damit sie hilfreich, konstruktiv, ressourcenfördernd, weniger belastend erlebt und gelebt werden können.

Abstract

The authors develop following narrative approaches a specific way in consulting and coaching in order to tell critical and incriminatory incidents in a new way respectively deconstructing them. Their claim is, to support their clients concerning their goals and possible solutions. That has nothing to do with foregrounding positive stories or to fade out or deny negative stories. As a matter of fact the aim is to give the stories new significances that they can help to create and use resources and reduce burden which incriminate their life.

Thomas Köhler-Saretzki:
Die Bindungstheorie und die Systemische Therapie! Freund? Feind? Beides? Keines von beiden? Oder geht’s hier um ganz was anderes?

S. 62-73

Zusammenfassung

Nur wenige Theoretiker und auch Praktiker haben sich bislang mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Bindungstheorie und den systemischen Ansätzen und ihrem Nutzen zum Wohle des Klienten beschäftigt. Der folgende Artikel gehört in die Kategorie praktische Anwendung. In diesem Zusammenhang werden konkrete Methoden und Interventionen auf bindungstheoretischer und systemischer Grundhaltung dargestellt, wie sie im Rahmen der täglichen Arbeit einer Familienberatungsstelle eingesetzt werden. Die Frage, ob die beiden Ansätze Freund, Feind, beides oder keines sind, lässt sich am Ende beantworten mit der Schlussfolgerung, dass es eigentlich um was ganz anderes geht, nämlich um das Wohl des Klienten, unabhängig von der jeweiligen Schule.

Abstract

Only a few theorists and practitioners seem to be engaged to deal with the differences and similarities between the attachment-theory and the systemic treatment concerning their benefit of wellbeing of clients. The article belongs in the category of practical application. Concrete methods and interventions will be described. They are based on the theoretical view of relationship and the systemic approach. The author shows how they are used as daily routine in a family counselling center. The question if both approaches are friend or enemy or both or none of them will be answered at the end of the article. The conclusion is that it is not really the question, most important is the wellbeing of clients, independently of the approaches.

Ronald Milewski:
Leer oder voll: Konzepte des Selbst in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) und der Internal Family Systems Therapy (IFS)

S. 74-86

Zusammenfassung

Nach der emotionalen Wende der Verhaltenstherapie in den 1990er Jahren haben sich im Rahmen der 3. Welle der VT Verhaltenstherapeuten das buddhistische Konzept der Achtsamkeit zur Weiterentwicklung ihrer Therapieverfahren zunutze gemacht. Spätestens seit der ersten Dekade dieses Jahrhunderts sind Hypnotherapeuten mit engem Bezug zu (hypno-)systemischem Vorgehen diesem Beispiel gefolgt. Dies hat in beiden Therapierichtungen zur Einführung von Konzepten des Selbst geführt, die recht unterschiedlich sind und im Folgenden neben dem jeweils spezifischen Integrationskonzept des Prinzips Achtsamkeit expliziert werden. Darüber hinaus wird im nachfolgenden Text eine Prüfung angeregt, inwieweit diese Konzepte anschlussfähig an die störungsspezifische Systemtherapie sind, wie Hans Lieb sie in Anlehnung an die Systemtheorie Luhmanns jüngst formuliert hat (Lieb, 2014a, 2014b). Integrationsversuche von Achtsamkeitsprinzipien in Tiefenpsychologie und Systemtherapie werden an dieser Stelle nicht diskutiert.

Abstract

After the emotional turn of Behavior Therapy (BT) in the 1990s parts of BT within the scope of the 3rd wave of BT have made use of the Buddhist concept of mindfulness to further develop their therapy procedures. Since the first decade of this century at least, parts of Hypnotherapy, linked with the hypnosystemic approach, have followed this example. This has resulted in the introduction of self-concepts, which differ a lot from each other, into both therapeutic approaches. The different concepts will be explained below beside the in each case specific integration-concept of the principle of mindfulness. In addition it will be checked whether these concepts can be related to the concept of disorder-specific systemic therapy, such as Hans Lieb has formulated recently based on Luhmann's systems theory (Lieb 2014a, 2014b). Attempts to integrate principles of mindfulness in Depth Psychology and Systemic Therapy will not be discussed.

Irmhild Poulsen:
BOP – Systemische Beratung als Burnout-Prophylaxe.
Abschlussbericht über das Fortbildungsprojekt für pädagogische Mitarbeiter der Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V.

S. 87-105

Zusammenfassung

Der Artikel ist eine gekürzte Fassung eines Abschlussberichtes über eine Ausbildung in Systemischer Beratung für pädagogische Mitarbeiter der Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V. Die Fragestellung war: Wie geeignet ist eine Ausbildung in Systemischer Beratung als Burnout-Prophylaxe? Gefragt wurde zu drei Zeitpunkten nach Wahrnehmung der körperlichen, psychisch-seelischen und verhaltensbezogenen Befindlichkeiten sowie konkreten Handlungsstrategien für den besseren Umgang mit Stress durch die Fortbildung und neuen Sichtweisen und Perspektiven durch die Fortbildung für die Tätigkeit.

Abstract

The article is a short version of a final report of a training in Systemic Counseling for colleagues of the educational staff of Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V. The topic was to find out how applicable is a training in Systemic Counseling for prophylaxis of burnout. At three dates questions were asked concerning the physical-psychic and behavioral sensitivities, concrete strategies for a better handling of stress through training in Systemic Counseling and perspectives for the daily work with kids and adolescents.

ERFAHRUNGSBERICHT  

Birgit Averbeck:
Interdisziplinärer Netzwerkaufbau „mit doppeltem Boden‘“.
Kooperation und Konfliktmediation im Kinderschutz

S. 106-121

Zusammenfassung

Der im Bundeskinderschutzgesetz verankerte Auftrag zum Aufbau von Netzwerken und zu einer interdisziplinären Kooperation von Fachkräften im Kinderschutz stellt im Alltag in der Regel eine Herausforderung dar. Die unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Sichtweisen der Akteure auf Familiensituationen im Einzelfall haben früher oder später Einfluss auf die Netzwerkarbeit, wo häufig dieselben Personen konzeptionell zusammenarbeiten sollen. Verstrickungen und Konflikte sind systemimmanent, werden aber häufig in ihren Auswirkungen unterschätzt und wenig thematisiert. Der Artikel beschreibt die Herausforderungen und Ziele von Kooperationen sowie den exemplarischen Aufbau eines systemisch arbeitenden Netzwerkes. Es wird auf die Funktion von Konflikten eingegangen und eine, in der Praxis erprobte, Mediationsmethodik für interdisziplinäre Helferkonflikte vorgestellt.

Abstract

The mandate for the building of networks and interdisciplinary cooperation of  professionals working in the sphere of child protection is anchored In the federal law. („Bundeskinderschutzgesetz“). But normally in every day life it´s a challenge to fulfill this mandate. The different professional and personal view of the actors on the family situation sooner or later influence the networking, where the same persons shall work together conceptually. That´s why entanglements and conflicts are inbuilt, but normally they are not communicated. Against this background the article describes the challenges and goals of cooperations  as well as the generic construction of a network which is based on a systemic view. It also deals with the function of conflicts and introduces an practice-approved method to intermediate interdisciplinary conflicts.

WÜRDIGUNGEN

Andreas Klink:
Haja ist 70 geworden!

S. 122-123   

Arist v. Schlippe:
Was, wenn Spencer-Brown ein Chamäleon gewesen wäre? Gedanken zu Haja Molters 70. Geburtstag

S. 123-124
        

Karin Nöcker:
Haja (Johann Jakob) Molter – Ein Blick zurück vorwärts

S. 124-125

Wolfgang Loth:
Auf eine eigene Weise – Cornelia Tsirigotis zum 60.

S. 126-133

DISKUSSION     

Hans Lieb:
Systemische Identitäten in klinischen Kontexten

S. 134-139

REZENSIONEN     

S. 140-145

NACHRICHTEN / WEINHEIMER KONTAKTE

S. 146-148

TERMINE / VERANSTALTUNGEN     

S. 150-154

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